Pfarrkirche St. Peter und Paul

Die Pfarrkirche St. Peter und Paul gehört zu den eindrucksvollsten Sakralbauten der Oberschwäbischen Barockstraße, die von der Schwäbischen Alb bis zum Bodensee führt. Sie ist Teil des früheren Klosters Weißenau, einem Chorherrenstift des Prämonstratenser-Ordens.

Der heutige Pfarrkirche St. Peter und Paul steht auf den Fundamenten der Mitte des 12. Jahrhundert errichteten Basilika St. Peter in der Au. Die romanische, dreischiffige Basilika besaß einen mächtigen Ostturm und sechs Altäre. Ihr Grundstein wurde 1152 gelegt, am 1163 wurde sie vorläufig geweiht. Die offizielle Kirchweihe fand nach der Fertigstellung der Kirche am 12. September 1172 statt. In den Jahren 1459 bis 1500 wurde der ursprüngliche Altarraum gotisiert. 1717 musste die Basilika dem Bau der heutigen barocken Pfarrkirche weichen.

Neubau der Klosterkirche im 18. Jahrhundert

Anfang des 18. Jahrhunderts fiel die Entscheidung zum Neubau der Klosteranlage. 1717 beauftragte Reichsprälat Abt Leopold Mauch den aus dem Bregenzerwald stammenden Baumeister Franz Beer (1660-1726) mit dem Abbruch der alten romanischen Basilika und dem Neubau der Abteikirche. Die Arbeiten an der Kirche St. Peter und Paul begannen 1717 und wurden 1724 vollendet. Beer realisierte eine Wandpfeilerbasilika im Vorarlberger Stil mit Doppeturmfassade. Die zwei imposanten Haubentürme sind von weither im Schussental sichtbar.

Die Stuckarbeiten führte der Wessobrunner Meister Franz Schmuzer (1676-1741) aus, die Decken und Wände bemalte größtenteils Jacob Carl Stauder (1694-1756). Der deutsch-schweizerische Maler schuf auch die Wandgemälde der ebenfalls zum Kloster gehörenden Kapelle Mariatal. Die Deckengemälde sind in der Maltechnik al secco entstanden und geben der Barockkirche ihr besonderes Gepräge.

Das zweireihige Chorgestühl wurde von 1633 bis 1635 von David und Martin Weiß geschaffen. Es besteht aus insgesamt 44 reich geschmückten Sitzen. Besonders sehenswert sind die 26 aus Nussbaum geschnitzten Heiligenreliefs.

Die Heilig-Blut-Reliquie machte Weißenau zum Wallfahrtsort

1283 erhielt das Kloster Weißenau eine  Heilig-Blut-Reliquie von König Rudolf von Habsburg (1218-1291). Die Reliquie machte Weißenau fortan zu einem wichtigen Wallfahrtsort. In einem Glasröhrchen enthält sie mit Blut vermengte Erde. Die lateinische Umschrift erinnert daran, dass Maria Magdalena das Blut unter dem Kreuz Jesu Christi gesammelt habe.

Die Barockfassung der Reliquie aus Gold und Edelsteinen wurde 1709 vom Haus Habsburg gestiftet. Die Heilig-Blut-Reliquie wird bis heute verehrt und steht auch im Mittelpunkt der beiden Feste, welche die Pfarrei aus der Klosterzeit heute noch weiterführt: das Fünf-Wunden-Fest im Frühjahr und das Magdalenenfest im Sommer.

Sehenswert ist auch die spätgotische Weißenauer Madonna im linken Seitenaltar. Sie wurde um 1490 vom Ulmer Bildhauer und Bildschnitzer Michel Erhart (etwa 1440/45-1522) gefertigt. Die Mondsichel-Madonna mit Christuskind besteht aus Lindenholz und weist viele Ähnlichkeiten mit der Madonnen-Skulptur des Blaubeurer Hochaltars auf. Der Seitenaltar dient als Rosenkranzaltar. Auf ihm sind die beiden Stifterfiguren Dominikus (links) und Katharina von Siena (rechts) abgebildet.

Die große Weißenauer Orgel ist ein Meisterwerk des Ottobeurer Orgelbaumeisters Johann Nepomuk Holzhey (1741-1809). Sie besitzt 41 Register und gilt als eine der bedeutendsten Denkmalorgeln im süddeutschen Raum.

Frank Vollmer

Weiterführende Literatur & Quellen

Beck, Otto (2004): St. Peter und Paul Weißenau. 9., neu bearbeite Auflage. Regensburg: Schnell & Steiner.

Sachse, Julia (2020): Untersuchungsbericht zur "Weißenauer Madonna". Projektarbeit, erstellt im Rahmen des Studiums an der Staatlichen Akademie für Bildende Künste Stuttgart. Unveröffentlichtes Manuskript.

Wieland, Georg (2003): Prämonstratenserabtei St. Maria und Peter Weißenau – Geschichte. Online-Portal Klöster in Baden-Württemberg.
www.kloester-bw.de