Die Weißenauer Holzhey-Orgel

Johann Nepomuk Holzhey (1741-1809) war einer der großen Orgelbaumeister Süddeutschlands in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Er schuf auch die große Orgel in der ehemaligen Reichsabteikirche St. Peter und Paul in Weißenau. Die Weißenauer Orgel gilt zusammen mit ihrem „Zwillingsinstrument“ im Kloster Marchtal als Holzheys zweitgrößtes Werk nach der größeren Orgel der Abtei in Neresheim.

Bedeutendes Meisterwerk des Orgelbaus

Die große Weißenauer Orgel ist eine der bedeutendsten Denkmalorgeln in Süddeutschland. Sie ist ein Meisterwerk aus der Werkstatt von Johann Nepomuk Holzhey, der seine Orgelbauverträge selbstbewusst immer mit „Johannes Holzhey, Bürger und Orgelmacher zu Ottobeuren“ unterschrieb.

Holzhey wurde 1741 in Rappen bei Ottobeuren geboren. Sein Vater Joseph war Bauer und Ortsvorsteher. Drei Mal war der Meister verheiratet und hatte zwölf Kinder. Er wurde bei seinem Onkel Alexander Holzhey ausgebildet und war Geselle bei Karl Riepp (1710–1775). Sein Onkel arbeitete im süddeutschen Orgelbaustil, Riepp im französischen.

Holzheys Orgeln sind eine glückliche Synthese beider Orgelbaustile, denen er eigene Elemente hinzufügte. Heute erfährt Holzheys Orgelbaustil eine Renaissance und inspiriert immer wieder neue Instrumente. In seiner Werkstatt wurden etwa 40 Orgeln neu gebaut oder grundlegend saniert. Seine größten Orgeln stehen in Ursberg, Rot an der Rot, Obermarchtal, Weißenau und Neresheim. Alle Kirchen waren Reichsabteikirchen und konnten sich Großorgeln leisten. Vier von ihnen haben drei Manuale und Pedale.

Das Weißenauer Instrument ist zusammen mit dem in Obermarchtal Holzheys zweitgrößte Orgel und besitzt 41 Register. Im Jahr 1787 vollendet, steht das Werk in einem vornehmen klassizistischen Gehäuse, das wohl Schreinermeister Fröhlich aus Ottobeuren fertigte, der in einem Doppelhaus neben Holzheys Werkstatt wohnte.

Nach der Säkularisation der Klöster im Jahr 1803 war die Auftragslage für Holzhey schwierig. Ein geplanter und begonnener Neubau für die Stiftskirche St. Gallen konnte nicht mehr ausgeführt werden. Johann Nepomuk Holzhey starb 1809 im Alter von 68 Jahren an einer Wassersucht, die sich gebildet hatte, als er sich bei einem Orgelneubau in Dürmentingen den Daumen verletzte.

Die Orgel wurde 1989 von der Orgelbauwerkstätte Hubert Sandtner aus Dillingen / Donau aufwendig renoviert.

Das fahrbare Orgelpositiv

Neben der großen Orgel steht für vielfältige musikalische Nutzung ein fahrbares Orgelpositiv zur Verfügung. Es besitzt sechs Register und wurde 1991 von Wolfram Stützle aus Waldkirch erbaut. Zu Klosterszeiten gab es auch eine Chororgel, die mittig im Chor stand und vermutlich zu großen Teilen vom bedeutenden Ravensburger Orgelmacher Jörg Ebert stammte. Die Chororgel wurde im 19. Jahrhundert nach Obereisenbach verschenkt, weil man für eine Chororgel ohne Konvent keine Verwendung mehr sah. Die Geschichte der Chororgel ist noch nicht wissenschaftlich aufgearbeitet.  

Dr. Ulrich Höflacher

Über den Autor
Dr. Ulrich Höflacher ist Musikwissenschaftler und war Konrektor am Katholischen Freien Gymnasium des Bildungszentrums St. Konrad in Ravensburg. Seine Dissertation über den Orgelbauer Johann Nepomuk Holzhey war Grundlage für die Renovierung der Instrumente Holzheys. Seit über 40 Jahren ist er zudem Organist an der Holzhey-Orgel der Kirche St. Peter und Paul in Weißenau.

Weiterführende Literatur

Höflacher, Ulrich (2009): Johann Nepomuk Holzhey – ein süddeutscher Orgelbauer des Klassizismus. Zum 200. Todestag. In: ­Ars Organi­, 57.­Jg.­ / Heft­ 4­, S. 219–225.
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Höflacher, Ulrich (1987): Johann Nepomuk Holzhey. Ein oberschwäbischer Orgelbauer. Ravensburg: Oberschwäbische Verlagsanstalt (zugl. Dissertation Universität Tübingen).